Theosis wird übersetzt mit "Deifikation" oder "mit dem Göttlichen eins werden"
In der Ebbe und Flut, dem Hin und Her der täglichen Existenz kann man leicht das so besondere Wunder des Lebens aus den Augen verlieren. Spirituelle Lehrer, Weise und Mystiker haben uns seit langem dazu ermutigt, zu einer grösseren Wirklichkeit zu erwachen. Aber wenige von uns finden die Zeit und noch viel weniger die Konzentration, uns selbst in Zustände des spirituellen Friedens zu erheben. Und ausserdem gelten spirituelle Pfade als schwer, fordernd und lebensverneinend.
Ein voller und dauerhafter spiritueller Pfad sollte zuerst und vor allem die Qualität unseres täglichen Lebens verbessern; denn so, wie unser inneres Leben an Klarheit
und Sinn gewinnt, wird auch unsere Beziehung zu Arbeit, Freunden und Familie voller und fruchtbarer. Das Alltagsleben ist ein treuer und gründlicher. Führer, der unseren spirituellen Fortschritt in jedem Moment testet und herausfordert. Die Arbeit besteht darin, ewige Weisheit auf unsere Tag-für-Tag-Existenz anzuwenden, so dass wir im Transzendenten und Unwandelbaren Frieden finden können.
Theosis ist ein griechisches Wort, das reich an Bedeutung ist. Es war ein Begriff, der von den Wüstenvätern über Jahrhunderte hin benutzt wurde, und vor kürzerer Zeit wieder von dem griechisch-zypriotischen Mystiker und Heiler Stylianos Atteshlis, der als Daskalos bekannt ist. Theosis wird übersetzt mit "Deifikation" oder "mit dem Göttlichen eins werden". Daskalos sprach davon wie von einem Zustand vergleichbar mit "Erleuchtung" oder "Selbst-Verwirklichung". Unser schrittweiser und unausweichlicher Eintritt in Theosis ist sowohl das Versprechen wie auch die Bestimmung, die wir in Eden erhalten haben; dass wir wie "Götter sein werden, die gut und böse erkennen". (cf. Gen.3:5)
Frieden hinterlasse ich Euch, meinen Frieden gebe ich Euch: nicht wie die Welt gibt, gebe ich Euch. Lasst Euer Herz nicht betrübt sein, noch lasst es ängstlich sein. (Joh 14:27) Der Pfad ist schön und einfach und entzückend und vertraut. Meister Eckhart.
Der Weg nach Hause ist gut beleuchtet. Daskalos
Theosis ist ein Prozess der ständig wachsenden Individuation des Selbst, die im "Ich-bin-Ich- Bewusstsein" gipfelt, das Jesus vollkommen verkörperte und durchdrang. In der christlichen mystischen Tradition besteht der Pfad zur Theosis im alltäglichen Leben (Arbeit, Familie und Freunde), wodurch sich die Seele in der Schöpfung spiegelt, auf dass sie sich selbst auf jede Weise kennenlernen kann. Und das Fahrzeug für diese Spiegelung, für das Erwachen des Selbst, ist die menschliche Form (als Körper, Gedanke und Emotion).
Unter anderen Lehrern warnten uns Buddha und Christus davor, unseren Frieden in irdischen Dingen und Beziehungen zu suchen. Zu vieles in dieser Welt entzieht sich unserer Kontrolle und unterliegt beständigem und dramatischem Wandel.
Wir können hier Zufriedenheit und Glück finden - und dies sollten wir auch geniessen - aber es ist zu oft flüchtig und unbeständig. Wir werden oft verzweifelt, enttäuscht oder verwirrt zurückgelassen. Aber durch ein aufmerksames Leben, durch zielgerichtetes Studium und Meditation sind wir in der Lage, unsere Wurzeln in die "inneren Königreiche" zu versenken und dabei dauerhaften und unerschütterlichen Frieden zu finden, sogar in den sorgenvollsten Zeiten.
Der vielleicht erhabenste Mystiker und Lehrer, der die Erde mit seiner Gnade beschenkte, war Jesus von Nazareth. Seine Göttlichkeit wird offenbar in der Kraft seiner Liebe, seiner Lehren und seiner Heilungen. Ob man Ihn für den Messias hält oder für einen Botschafter oder einen Meister, spielt fast keine Rolle? denn wenige von uns wissen es wirklich.
Die wahre Herausforderung ist es, das Leben nach seinen Lehren zu leben. Und wenn man es tut, auch nur in einem geringen Ausmass, sieht man, wie es einen bereichert.
Die ewigwährende Einladung, die Christus auf uns alle ausdehnt, ist es, in einem Zustand jenseits von Angst, Frustration und Scham zu leben; mit unseren Füssen fest auf der Erde und unseren Herzen zuhause im Himmel.
Der Weg durch die Welt ist schwieriger zu finden als der Weg jenseits der Welt.
Wallace Stevens "Antwort an Papini"
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