Polarität von Martha und Maria PDF Drucken E-Mail

Wie wir uns selbst in der Polarität von Martha und Maria von Bethanien wiederfinden

 Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Martha, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hiess Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füssen und hörte seiner Rede zu. Martha aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll! Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.

(Lukas 10, 38-42)

Wir sind Bewusstsein. Jeden Tag erwachen wir mit unbegrenztem Bewusstsein, verbrauchen Bewusstseins-Energie während des Tages, legen uns schlafen in einem uferlosen Meer von Bewusstsein, schweben durch die Nacht in Freiheit, um am nächsten Tag mit unbegrenzten Möglichkeiten, das Selbst und sein Bewusst-sein zu erkunden und zu erfahren, wieder zu erwachen. Bewusst-sein ist Freiheit und das höchste Geschenk der Gottheit an seine Kinder.

Wir existieren in der Form: Unsere Körper (mental, emotional und physisch) besitzen Form und Struktur. Ein grosser Teil unseres Lebens wird bestimmt und erfahren durch Aktivitäten in der Form. Das Bewusstsein sucht seinen Ausdruck in der Form. Auf der anderen Seite benutzt das Bewusstsein die Form und die Aktivität in der Form, um sich vor sich selbst zu verstecken. In unserer normalen Routine verlieren wir zu oft die Verbindung zu unserer spirituellen Natur, da das Selbst sich mit Aktivitäten zudeckt.

Maria und Martha und deren Bruder Lazarus lebten in Bethanien, einem kleinem Dorf, zu Fuss zu erreichen von Jerusalem. Jesus liebte diese Familie sehr und er besuchte sie zu vielen Gelegenheiten. Maria verehrte ihren Lehrer Jesus sehr und ihr Wunsch war, sich in seiner Gegenwart aufzuhalten, während sie ihm die Füsse salbte und mit ihrem Haar trocknete. (Joh. 12,3)

In Indien wird das "darshan" und "satsang" genannt, wenn der Anhänger sich selbst in der Gegenwart des Göttlichen badet. Martha, auf der anderen Seite, wurde von ihren vielen Aufgaben in Anspruch genommen: Das Haus in Ordnung zu halten, Besucher zu empfangen, putzen, waschen und die Mahlzeiten zuzubereiten. Martha liebte den Lehrer genauso und diente ihm, indem sie seine Bedürfnisse befriedigte, aber die tägliche Arbeit beschäftigte ihre Gedanken und erforderte viel Zeit.

Jesus aber hatte Martha lieb und ihre Schwester und Lazarus. (Joh. 11,5)

Maria und Martha stellen Extreme in der Einstellung zum Leben, zur Hingabe und zum Bewusstsein dar. Indem wir diese zwei Pole (einen der stillen Hingabe und den anderen des Beschäftigtseins mit den vielen Anforderungen des Lebens) näher betrachten, können wir erkennen, wo wir stehen. Werden wir übermässig von den Anforderungen und der Faszination des Lebens in Anspruch genommen? Oder vernachlässigen wir diese Aspekte in der Familie und der Gemein- schaft bei unserer Suche nach spirituellem Frieden?

Der Archetyp der Martha

 

Es gibt innere Formen, die Daskalos als Elementale beschreibt, die aus emotionaler oder mentaler Substanz geformt sind. Elementale sind lebendige Wesen mit bestimmten Eigenschaften, die darauf angewiesen sind, von der Persönlichkeit immer wieder mit Energie versorgt zu werden, indem sie mit ätherischer Substanz ernährt werden. Erinnerungen aus dem jetzigen und den vergangenen Leben, Wünsche, Ideen, Leidenschaften, Prinzipien und Gefühle bilden Elementale oder Ansammlungen von Elementalen. Dies sind innere Formen, die innerhalb unseres Unbewussten leben und die, um ihre Lebendigkeit zu erhalten, unsere Energievorräte verbrauchen. (sogar mehr Energie, wenn sie von der Persönlichkeit unterdrückt werden.)

Der Archetyp der Maria

 

 Geist ist ungeteilt. Er ist einfach und ehrlich. Jesus Christus war der volle Geist der Gottheit, verkörpert im Menschen. Maria wurde von Christus nicht notwendigerweise wegen seiner Lehren angezogen, sondern mehr wegen seiner Gegenwart. Seitdem wir das Paradies verlassen haben, sehnen wir uns nach dem ursprünglichen Zustand der Vereinigung mit dem Göttlichen. Eden ist ein Zustand des Vertrauens und der Fülle. Das Selbst in der Welt, das sich in einer Fülle von äusseren und inneren Formen befindet, ist allzu oft überlastet, verletzlich und ängstlich. Jesus ist in der Einheit mit dem Vater (wie auch Adam) und strahlt Freude, Vertrauen und Fülle aus. Viele von uns fühlen sich zu organisierten Religionen oder esotherischen Pfaden aus

Wie wir die Balance finden

Jede Nacht betritt die Persönlichkeit wenigstens einmal einen Zustand des scheinbaren Nichts.

In diesem Zustand gibt es kein Selbst: Keinen Georg, keine Maria. Es gibt keine Wünsche, keine Erinnerungen, keine Gedanken. In diesem Zustand sind wir Geist. Wir sind frei. Aber wir wachen wieder auf und mit uns erwachen alle unsere Elementale. Georg wird wieder aufgebaut, und Maria wird wieder zu Maria.

Wenn ich aufwache, mache ich mir sofort eine Tasse Kaffee (mein Bewusstsein verändernd),lese die Zeitung und höre die Nachrichten, die weltliche Formen in mein Bewusstsein bringen, kontrolliere die Post (E-Mail und normale Post) und bringe damit Neuigkeiten von Freunden und Familie in mein Wachbewusstsein. Eine Stunde nach dem Aufwachen habe ich die gesamte Welt in mich aufgenommen, und nach einer zweiten Tasse Kaffee ist mein Nervensystem noch mehr belastet. Reine Martha Energie!

Aus der Zeit meines 2-jährigen Aufenthalts in Nepal habe ich viele tiefe Erinnerungen an eine Kultur, die tief von Spiritualität durchdrungen ist. Eine davon ist an eine kleine Stadt einige Kilometer ausserhalb Kathmandus. Baktupur ist eine mittelgrosse Stadt, die viel von ihrem antiken Charakter und ihrer bäuerlichen Tradition erhalten hat. Ich habe extra einige Nächte dort verbracht, um ein tägliches morgendliches Ritual zu erleben. Ausserhalb der Stadt fand ein kleiner Fluss seinen Weg. An den Ufern befanden sich uralte Tempel, die mit hinduistischen und buddhistischen Bildern gefüllt waren. Eine Stunde vor Sonnenaufgang versammelten sich in einem dieser Tempel einige Musiker, die in und um Baktupur lebten. Nachdem sie einige Worte ausgetauscht hatten, begannen sie "bajuns" zu singen, heilige Gesänge an die Götter. Gut eine Stunde lang sangen sie und die Luft war erfüllt von heiligen Serenaden, während die Sonne langsam über der Stadt aufging. Reine Maria-Energie.

Das bessere Teil

Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort Gottes. (Lukas 4,4)

Das Leben ist im Fluss und vergänglich. Wir knüpfen reiche Verbindungen mit unseren Familien und mit unseren Gemeinden, die oft über viele, viele Leben bestehen. Erfahrungen, Faszinationen und Leidenschaften sind wichtig für das Selbst, damit es erkennen kann, was es ist und was es nicht ist. Aber wir sind Seelen und Kinder der Gottheit, und unsere ewige und göttliche Natur benötigt unsere Aufmerksamkeit damit sie sich in ihrer Weisheit und Liebe durch unsere Persönlichkeit ausdrücken kann. Christus bezeichnete Marias Haltung als das "bessere Teil", denn ihr Verlangen war auf das Ewige und Universale gerichtet. (Edle Gedanken, die wir tragen und von Leben zu Leben bereichern). Die speziellen Aufgaben des Tages sollten niemals unsere göttliche Natur verdecken, damit wir nicht die Verbindung zu unserer Quelle verlieren.

Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. (Lukas 21,33)

 

Daskalos verglich spirituelles Wachstum mit einem kleinen Keimling. Um zu wachsen benötigt er gute Erde, Wasser und Sonne. Wird er jedoch der Sonne oder dem Wasser zu viel ausgesetzt, wird er eingehen. Spirituelles Wachstum benötigt, Harmonie, Geduld und den eigenen Rhythmus. Als Studenten des esotherischen Christentums versuchen wir, die beiden Pole in uns zu vereinigen, die durch den Martha- und Maria-Archetyp dargestellt werden.

Die Musiker von Baktupur sind dann auf ihre Felder zum Arbeiten gegangen. Nachdem ich meinen ausgefüllten Morgen verbracht habe, widme ich mich der Meditation, dem Gebet, der Heilarbeit und räume dadurch der Inspiration Platz ein. Indem wir Maria und Martha studieren, können wir alle unser eigenes Leben betrachten:

Wie bringen wir unseren Wunsch nach himmlischem Frieden und unser Eingebundensein in die Welt in übereinstimmung? Ich schlage vor, dass wir über Martha und Maria meditieren und schauen, was sie uns für unser tägliches und spirituelles Leben zu sagen haben.

 
Texte zum Nachdenken

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