Spirituelle Schriften + Spirituelle Botschaft von Paul Skorpen PDF Drucken E-Mail
 Heilige Schriften unterscheiden sich von profanen in Stil und Intension: Sie sprechen zu unserem gesamten Sein.

Die einzigartige Erfahrung des Menschen ist, dass er sich als Seele auf eine vielfältige Art in die Schöpfung einbringen kann. Zum einen sind wir spirituelle Wesen, die den Glanz der Schöpfung erkennen und daran teilhaben können. Zum anderen sind wir Persönlichkeiten und sind durch unsere mentalen und emotionalen Fähigkeiten ethisch in die Welt eingebunden. Und als inkarnierte Wesen erleben wir die Welt sehr greifbar und sinnlich mithilfe unseres physischen Körpers.

Bei einer sich ganzheitlich ausdrückenden Persönlichkeit besteht zwischen diesen Ebenen Lebendigkeit und Austausch. Doch das Leben führt uns zwangsläufig in viele Richtungen und oftmals verlieren wir den Kontakt zu unserer vollen Natur. Diese innere Zerrissenheit ist es, die uns nach Lehrern und Lehren Ausschau halten lässt. Wahre Lehren versuchen uns Besserung zu bringen und führen uns in grössere Einheit und zu grösserem Bewusstsein. Schriften, vom Göttlichen inspiriert, heilen und vereinigen getrenntes Bewusstsein.

Gleichnisse sind die Quintessenz der Schriften, im Osten wie im Westen. Sie sind strukturierte und vielschichtige Symbole. In einfache Sprache gefasst, sprechen sie all die verschiedenen Ebenen gleichzeitig an. Gleichnisse bringen dem Zuhörer je nach seinem Bedürfnis Gewinn und sind somit eine ideale Form der Vermittlung.

Niemand flickt ein altes Kleid mit einem Lappen von neuem Tuch; denn der Lappen reisst doch wieder vom Kleid ab, und der Riss wird ärger. Man füllt auch nicht neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreissen die Schläuche, und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche verderben. Sondern man füllt neuen Wein in neue Schläuche, so bleiben beide miteinander erhalten. (Matt. 9:16-17)

1. Physisch/historisch (Grobstofflich)

Diese Gleichnisse arbeiten mit Bildern, die der Zuhörer leicht begreifen, verstehen und erinnern kann: Sie gründen in praktischer Wahrheit und einer vorherrschenden Volksweisheit, in der sich der Zuhörer finden kann.

2. Mental/emotional (Psycho-noetisch)

Die Reinigung der Persönlichkeit geschieht ganz allmählich und erfordert Zeit und Geduld. Die Persönlichkeit wird durch Elementale geformt. Alles Bemühen, sie radikal zu verändern, kann mehr Schaden anrichten als Gutes bewirken. Wir können uns nicht dazu zwingen, über Nacht geduldig zu werden nach Jahren (Leben) der Ungeduld. Was wir benötigen ist Zeit, um unsere gesamte Natur zu transformieren (und nicht bloss hier und dort ein wenig auszubessern).

Während meiner Zeit in Zypern u.a. als 'Stoa-Betreuer' war ich auch verantwortlich für all die vielen Besucher. Dabei versuchte ich die Stoa in einem guten Zustand zu halten. Es gab Zeiten, da waren mehr als 150 Wahrheitssucher in und um die Stoa herum und es stand nur eine Toilette zur Verfügung. Mit Daskalos Lehre über Dienen und Menschlichkeit im Ohr, nahm ich mich in die Pflicht, die Toilette regelmässig zu reinigen. Ich war der Meinung, es sei eine grossartige spirituelle Handlung, einem Meister zu dienen und die Toilette sauber zu halten. Aber wie ich auch wollte, ich konnte mich einfach nicht richtig dazu durchringen: Ich versuchte mich zu einem höheren Ideal zu zwingen, für das ich nicht reif war. Es endete damit, dass ich mich entmutigt, selbstsüchtig und schuldig fühlte.

Eine biblische Metapher für die Persönlichkeit ist das Haus. Ein Haus setzt sich aus lauter einzelnen Steinen zusammen und wenn man plötzlich eine Wand wegnimmt, ist das ganze Haus in Gefahr einzustürzen.

3.Spirituell/mystisch (Geist-Seele)

Paulus schreibt:

Passt euch nicht den Massstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr im Innersten von Gott umwandeln. Lasst euch eine neue Gesinnung schenken. Dann könnt ihr erkennen, was Gott von euch will. Ihr wisst dann, was gut und vollkommen ist und was Gott gefällt.
(Röm.12.2.)

Um das Christusbewusstsein in uns vollkommenen zum Ausdruck zu bringen, sollten wir uns in würdige Gefässe transformieren. Diese kurzen Gleichnisse aus dem Matthäusevangelium erinnern an die Hauptbotschaft aller Evangelien:

1. Wiedergeborenwerden in unsere Seelennatur hinein.
2. Christus als spirituelles Manna (das heilige Abendmahl).

Jesus antwortete:
Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei
denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist.

(Joh. 3:5-6)

Wir sollten über die Einschränkungen der Familie, der Geburt und des Zeitalters hinauswachsen und uns aus der Wahrheit heraus erneuern. Um Christus als Manna, als lebendigen Wein und lebendiges Brot empfangen zu können, bedarf es der Reinigung unserer Herzen.

Die tibetischen Buddhisten haben ein schönes Bild eines Wahrheitsuchenden: Er wird zu einer aus Gold gegossenen, leeren Schale, die die Buddha-Natur füllen kann. ähnlich dem sollten wir neue Weinschläuche werden - heilige Gräle - in die der Wein gefüllt werden kann. 

Die heilige Sprache ist jedoch nicht auf Gleichnisse beschränkt. Im Johannesevangelium finden wir keine Gleichnisse, und doch gehören diese Ausführungen zu den vollkommensten der heiligen Schriften. Betrachten wir nachstehend ein Beispiel:

 Jesus aber wusste, dass ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott ging, da stand er vom Mahl auf, legte sein Obergewand ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an, den Jüngern die Füsse zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war. Da kam er zu Simon Petrus; der sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die Füsse waschen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füsse waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füsse allein, sondern auch die Hände und das Haupt! Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füsse gewaschen werden; denn er ist ganz rein Als er nun ihre Füsse gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe? Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin's auch. Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füsse gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füsse waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht grösser als sein Herr und der Apostel nicht grösser als der, der ihn gesandt hat. Wenn ihr dies wisst - selig seid ihr, wenn ihr's tut (Joh. 13.3-17).

1. Physisch/historisch (Grobstofflich)

Auf dieser Ebene hat die Fusswaschung tatsächlich stattgefunden und Christus hat die Füsse der Apostel gewaschen. Als vollkommene Widerspiegelung der Gottheit dient Christus der Menschheit im Fleisch. Die tatsächliche körperliche Handlung dient den Sinnen und gibt uns die Kraft, uns über das rein Fleischliche zu erheben und die grosse Last des Stolzes hinter uns zu lassen.

2. Mental/emotional (Psycho-noetisch)

Nahrung für unsere ethische Reife: Die Moral der Handlung ist sehr deutlich, da Christus sie selbst erklärt. Es ist eine Handlung der Demut und des Dienens, die sich tief in den Seelen der Apostel verankert: Sie erleben und erfahren Demut im Dienen.

3.Spirituell/mystisch (Geist-Seele)

Manna für unseren spirituellen Weg: Durch die Füsse ist der Mensch mit der Erde verbunden oder, symbolisch gedeutet, mit den irdischen Dingen. In Indien werden deshalb die Füsse als profan angesehen. Indem er seinen Jüngern die Füsse wäscht, zeigt Christus eine grosse Achtung für unser gesamtes Sein. Wie auch in der Taufe dient hier das Wasser dazu, die irdische Ausrichtung der Apostel aufzuheben, damit sie in der Lage sind, die Kreuzigung besser zu begreifen (das höchste kosmische Ereignis). In diesem Licht betrachtet, ist die Fusswaschung eine Einweihung des höchsten Grades.

Spiritualität und Esoterik werden oftmals mit dem Verstand aufgenommen aber lassen das Herz dabei unberührt. Indem wir nur den spirituellen Aspekt sehen, laufen wir Gefahr, einen kalten, sterilen und abstrakten Mystizismus zu entwickeln. Wenn wir uns jedoch nur die mentale/emotionale Ebene und die irdische/historische Ebene erschliessen, riskieren wir, die höchste Botschaft nicht zu finden.

Das innere Christentum ermutigt uns, alle drei Ebenen harmonisch zu erfahren, so dass wir den Menschensohn und den Gottessohn erfassen können. Vom tiefen Eintauchen in die Schriften kann uns intellektuelle überheblichkeit (eine Gefahr des Westens) oftmals abhalten. Der Verstand ist stolz und meint, er könne jede Lehre sofort verstehen. Weiter bringt es uns, wenn wir uns demütig mit den grossen Lehren und Schriften der Welt auseinandersetzen, uns einlassen auf die feinschwingenden Dimensionen der Botschaft, um Heilung und Transformation zu erfahren.

Bevor Du Dich den Schriften näherst, versuche zu vergessen, wie Du den Text bisher gelesen und verstanden hast und lies ihn dann, als würdest du ihn zum ersten Mal lesen.

 
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