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“Und Jesus, erfüllt
vom Heiligen Geist, kehrte vom Jordan zurück, und
wurde vom Geist vierzig Tage lang in der Wildnis geführt,
wo er vom Teufel versucht wurde. Und er ass nichts während
dieser Tage; und als sie zu Ende waren, wurde Er hungrig”
(Lukas 4:1-2)
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Es
ist die zentrale Lehre der mystischen Christlichen
Tradition, dass alles, was Jesus von Nazareth
durchlitten und ausgeführt hat, sowohl eine
historische Wahrheit (es ist in Palästina
vor 2000 Jahren geschehen) als auch eine tiefgründige
Bot-schaft für unser spirituelles Leben ist
(es wird jetzt in uns geschehen).
Die Mühen und Triumphe von Jesus —
wie sie in den Evangelien aufgezeichnet sind —
geschahen dem Menschensohn und bleiben als der
Pfad, der Weg, den Menschen beschreiten können,
so dass auch sie sich über die Welt erheben
und dem Christus-Bewusstsein zur Geburt verhelfen
können. Nachdem der Wirbel des Neuen Jahres
sich gelegt hat, und wir viele unserer Entschlüsse
schon achtlos fallen liessen, wird uns erneut
eine Gelegenheit angeboten,die Fastenzeit.
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Marc Chagall, Moses,1970
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Die vierzig Tage
der Fastenzeit (abgesehen von den sechs Sonntagen,
die in diese Zeit fallen) haben die vierzig Tage
zum Vorbild, in denen Jesus sich in die Wildnis
zurückzog, fastete und dem Satan begegnete.
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Und sogleich trieb
der Heilige Geist ihn an, hinaus in die
Wildnis zu gehen. Und er war vierzig Tage
in der Wildnis, wo er vom Satan versucht
wurde; und er war unter den wilden Tieren,
und die Engel dienten Ihm. (Markus
1:12-13)
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Die vierzig Tage,
in denen Jesus in der Wildnis umherzog, sind ein
Nachhall auf Noahs lange Tage auf dem Wasser,
als‚ 'der Regen vierzig Tage und vierzig
Nächte auf die Erde fiel.‘(Gen. 7:112).
Auch Moses “trat in die Mitte der Wolke,
als er den Berg bestieg; und Moses war vierzig
Tage und vierzig Nächte auf dem Berg.‘
(Exod. 24:18) Die Erde wurde während Noahs
Aufenthalt gereinigt, und Moses wurde mit seinem
Lagern auf dem Berg Sinai darauf vorbereitet,
die zehn Gebote zu empfangen. Dies sind “Prozesse
des Leerwerdens”, wo alte Strukturen hinwegsterben,
so dass Neues geboren werden kann.
Künstlerische Darstellungen der Wildniserfahrung
von Jesus versetzen das Geschehen oft in eine
Wüste. Wüsten sind dürr und die
Sinne (Sehen, Hören, Geschmack, Tastsinn
und Geruch) haben wenig, womit sie sich befassen
können. In einer Umgebung, die wenig bietet,
um einen Menschen herauszulocken, richtet sich
die Aufmerksamkeit nach innen. Wir lesen, dass
Jesus fastete, aber das Fasten zielt nicht nur
darauf ab, den Körper hungern zu lassen,
sondern, um alle Elementale (Begierden, Gelüste
und Wünsche) in uns aufzuscheuchen, so dass
sie uns bewusst werden. Es hat nur solange Wert,
körperlich zu fasten, wenn auch die feineren
Körper ihren Hunger kundtun. Jesus sagte:
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“Nicht, was
in den Mund hineingeht, macht den Menschen
unrein, sondern das, was aus dem Mund herauskommt,
macht unrein…” (Matth 15:1)
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Die Persönlichkeit ist zwischen
zwei gegensätzlichen Kräften eingespannt:
dem Edelmut der geeinten Seele und dem mannigfaltigen
Unbewussten. Je grösser das Territorium ist, das
das Unbewusste in der Persönlichkeit einnimmt,
desto weniger Raum hat die Seele. C.G. Jung nannte das
Unbewusste den “Schatten”:
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Der Schatten ist ein moralisches
Problem, das die ganze Egopersönlichkeit
herausfordert, da niemand sich des Schattens bewusst
werden kann ohne eine beträchtliche moralische
Anstrengung. Sich seiner bewusst zu werden, schliesst
auch ein, die dunklen Aspekte der Persönlichkeit
als gegenwärtig und real zu begreifen. Dieser
Akt ist die grundlegende Bedingung für jede
Art von Selbst-Erkenntnis und aus diesem Grunde
trifft sie in der Regel auf erheblichen Widerstand.
Als psychotherapeutische Massnahme erfordert Selbsterkenntnis
in der Tat sehr mühsame Arbeit über
einen langen Zeitraum hinweg. Nähere Untersuchung
der Charakteristiken des Dunkels - das heisst,
der Unzulänglichkeiten, die den Schatten
bilden - bringt zutage, dass sie emotionaler Natur
sind, eine Art von Autonomie und dementsprechend
auch eine obsessive oder, besser gesagt, possesive
Qualität besitzen. Emotion ist übrigens
nicht eine Aktivität des Individuums, sondern
etwas, das ihm geschieht. C.G.Jung aus “Der
Schatten” Aion, CW 9ii,par.13-19
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Der christliche Mystiker Dr. Stylianos
Atteshlis, Daskalos, führte übereinstimmend
mit Jungs tiefsinnigen Beobachtungen aus, dass
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Elementale, wenn sie einmal
geschaffen sind, ihre eigene Intelligenz und Begierde
haben. Wir Menschen haben innerhalb der Persönlichkeit
Elementale, deren Natur primär noetisch (mental)
ist, und Elementale, die ihrer Qualität nach
eher emotional sind. Das Unbewusste ist es, wo
diese Elementale leben und von wo aus sie auf
die Persönlichkeit einwirken. Wie der physische
Körper Nahrung braucht, um sich selbst wiederherzustellen,
so brauchen der emotionale und der noetische Körper
Nahrung (ätherische Vitalität).
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Elementale brauchen ätherische
Vitalität, um zu leben, besonders wenn sie stark
oder in Gruppen sind, und sie steuern das Selbst, damit
es auf eine Weise handelt, bei der sie gut ernährt
werden. Zunächst werden Elementale geschaffen,
um dem Selbst zu dienen, aber wenn sie unserer Kontrolle
entgleiten, dient das Selbst dann den Elementalen.
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Das
Unbewusste ist von Natur aus emotional, und bis
wir die Elementale im Selbst kennenlernen und
kontrollieren, werden wir leiden.
Der Schatten oder der Egoismus ist ein grosser
und kluger Feind, der im Auf und Ab des Alltagslebens
eine Menge Gelegenheit findet, sich zu ernähren
und wiederherzustellen.
Tägliche Innenschau ist wahrscheinlich das
grossartigste und sicherste Mittel, um dem Egoismus
den Boden zu nehmen. Und die Jahreszeiten unterstützen
solch wichtige Arbeit auch. Die Fastenzeit, die
vierzig Tage vor der Passionswoche, ist eine jährliche
Reinigung, die das Selbst (jedes Jahr stärker)
reinigt, so dass wir der Schönheit der Schöpfung
gewahr werden und aus den engen Grenzen der Persönlichkeit
heraustreten können. In dieser komplizierten
und modernen Welt ist es schwierig, die vierzigtägige
Wildniserfahrung zu machen. Wenige von uns haben
die Zeit oder eine Wüste in der Nähe.
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Master LCz, The
Temptation of Christ, c. 1500/1505
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Eine solche innere Arbeit wegen
anderer Eventualitäten aufzuschieben, bedeutet,
in schmerzhaften Mustern zu verharren. Sollten wir Klarheit
und Einfachheit wünschen, müssen wir andere
Wege finden, um Licht auf unsere Schatten zu werfen.
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Selbst-Eroberung ist der
grösste Sieg. Plato
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Wir müssen festhalten, dass
alle Evangelisten sagen, dass es Jesus erst hungerte,
nachdem 40 Tage vergangen waren. Darin ist eine Botschaft
enthalten. Wenn das Selbst einmal geleert ist, kommt
der erste wahre Hunger: vom Göttlichen erfüllt
zu werden! Wenn unsere Satane (persönlicher Egoismus)
überwunden sind, und unsere Wölfe (die furchterregenden
Schatten) sich zu den Lämmern legen (dem wahren,
sanften Selbst) haben wir ein geeintes Selbst (cf. Isa
11:6) Der innere Kampf kommt zur Ruhe. Die Seele ist
in der Persönlichkeit wohlgeborgen.
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