| Eine Begegnung mit Daskalos |
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Der Mystiker, der Mensch,
die Botschaft
Wenn
ihr auf euer Herz achtet und nach der Stimme Gottes
lauscht und von Ihm lernt,in einer kurzen Stunde könnt ihr mehr von
Ihm lernen als in tausend Jahren von den Menschen.
Johannes Tauler (ca. 1300-1361 n.Chr.)
Alles verliert im Laufe der Zeit an Glanz und auch die Menschen, die wir kannten und die diese Welt schon verlassen haben, sollten mehr und mehr aus unserem Tagesbewusstsein schwinden. Daskalos ist mir heute noch näher als bei seinem Hinübergehen vor über fünf Jahren. Es scheint, als ob ich in meiner Verbindung zu ihm zu nahe an einem Berg stand, um seine Weite zu erfassen, oder an einem Meer, das so gross ist, dass ich sein entferntes Ufer nicht sehen konnte. Es gibt, wie ich jetzt erkannt habe, Menschen, die wir nicht 'sehen' können, Menschen die ausserhalb des uns Greifbaren stehen, zumindest solange, bis wir in der Lage sind, unsere Sicht zu erweitern, so dass wir sie erfassen können. Nachdem ich das erste Mal von diesem Lehrer hörte, über den man sagte, er sei voll von Wundern und Weisheit, vergingen noch 10 Jahre bis ich schliesslich über den Umweg eines 2-jährigen Aufenthaltes in Nepal auf der Insel Zypern landete.
Trotz
meiner Schulung im Buddhismus und Schamanentum
des Himalaja, die ich vorher durchlaufen hatte
(und deren reicher Kosmologie), hatte ich zu kämpfen,
das von ihm gelehrte System nachzuvollziehen.
Er formulierte alles in einer geheimnisvollen
Sprache - wobei sein Englisch einen griechischen
Akzent hatte. 'Das Neue Testament', erklärte
er mit Nachdruck am Ende vieler Unterweisungen,
'sollte dein bester Freund und Begleiter sein.'
Bestürzt sassen wir gemeinsam da, denn wie
konnte die staubige Bibel mit ihren Eselsohren,
die auf Großmutters Nachttisch lag, ein
so mächtiger spiritueller, ja sogar mystischer
Führer sein?
Daskalos war der geborene Lehrer christlicher Mystik.
Ausserdem war er ein bemerkenswerter Heiler. Lange Zeit
seines Lebens lebte er ein besonnenes, ruhiges Leben,
arbeitete als Drucker für die Kolonialverwaltung,
lehrte und heilte an den Abenden und an den Wochenenden
und akzeptierte nie mehr als eine Tasse Kaffee für
seine Zeit und Mühen. Dann gab er sein Einverständnis
dazu, dass ein Buch geschrieben werden sollte, 'über
die Lehre', wie Daskalos sich ausdrückte. Das Buch
'Der Magus von Strovolos' entwickelte sich schnell zum
Klassiker unter den Büchern über spirituelle
Lehrer. Aber Markides überschritt den von Daskalos
klar vorgegebenen Rahmen, indem er zu viel über
Daskalos Taten und Wunder schrieb, sehr zum Verdruss
von Daskalos und zu unserer Faszination. Daskalos fürchtete,
dass sich die Aufmerksamkeit weg von der spirituellen
Lehre hin zu der Faszination durch psychische Kräfte
richten könnte2. Mystisches Christentum: Der Weg der Liebe, Weisheit und Kraft Spirituelle Lehrer, also in diesem Sinne wir alle, drücken Kraft (in der Lage sein, zu Handeln), Wissen (Wissen, das zur Weisheit führt) und Liebe (moralische Absicht mit Mitgefühl und Barmherzigkeit) aus4. Viele Meister und Religionen beschreiben Gott als Absolute Macht, Absolute Weisheit und Absolute Liebe. Als Seelen sind wir mit diesen Qualitäten ausgestattet und als Persönlichkeiten streben wir danach, ihnen Ausdruck zu verleihen. Große Kulturen, wie die indische, haben Schulen, 'Yogas'5, gegründet, um sich diesen drei Gesichtern des Göttlichen anzunähern. Jedoch findet man selten inkarnierte Seelen, die diese drei großen Pfade in Einklang gebracht und voll entwickelt haben. Daskalos war als Lehrer einzigartig, denn er drückte nicht nur jedes dieser drei Attribute in ganzer Fülle, sondern auch alle in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander aus. Daskalos heilte und lehrte in dieser dreifachen Stärke. Daher gab seine bloße Gegenwart vielen Trost, Sicherheit und Zuversicht. Die Botschaft, die er anbot, war, dass das mystische Christentum uns zu voller und ausgeglichener Entwicklung hinführt. Umfassende Anatomie der menschlichen Natur Vielleicht das größte 'Geschenk' von Daskalos an Suchende, die Orientierung benötigen, ist seine umfassende Anatomie der menschlichen Natur. Daskalos' Lehre der drei Körper des Menschen (noetisch/mental, psychisch/emotional, materiell/physisch) und seine Beschreibung vom Leben der Elementale (Gedanken-Formen und Emotional-Formen), geben uns die Möglichkeit, uns selbst zu erkennen und unser Verständnis und unsere Erfahrungen in der Wœelt neu zu gestalten. Seine Lehre über ätherische Vitalität und das ätherische Doppel befähigt uns, unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden zu beobachten und zu kontrollieren. Daskalos empfahl uns, immer nur einen Schritt zu passender Zeit zu tun, auf diese Weise würde sich der nächste Schritt von selbst offenbaren. Er betonte, dass jeglicher echte und dauerhafte Fortschritt stets mit Selbstbeobachtung beginnt und durch diese aufrechterhalten werden soll. Nichts Böses sehen, hören und reden
Im Hause Daskalos' hing über dem Kamin eine Schnitzerei, auf der drei Affen abgebildet waren: einer, der seine Augen bedeckte, einer, der sich die Ohren zuhielt und ein dritter bedeckte seinen Mund. Kitsch? Für Daskalos war dies ein Symbol für den selbstbewußten Menschen, dessen Integrität und Spiritualität einer inneren Ausrichtung auf das Göttliche entspringt. Solche Menschen haben nicht das Bedürfnis, sich selbst durch Kritik an ihrem Umfeld und an anderen Menschen aufzuwerten. Das Maß für den geistigen Standort eines Menschen ist das Ausmaß, in dem er sich im Widerstreit mit der Welt befindet. Daskalos' Integrität, seine Moral und seine Spiritualität hingen nicht mehr von äußeren gesellschaftlichen Umständen ab, sondern waren vollkommen auf Gott ausgerichtet. Ein Zeugnis hierfür ist die Tatsache, dass ich mich an keine Situation erinnern kann, in der Daskalos eine andere Person oder Institution kritisiert hätte. Auch als die Kirche seinen Namen verleumdete, lächelte er nur und sagte: 'Sie sind gute Menschen und haben keine schlechten Absichten'. Daskalos und die Kirche des heiligen Johannes
Christentum zeigt sich in vielen,
vielen Formen. Es gibt die kulturell/historische Kirche,
die gegründet wurde, als Christus Petrus mitteilte:
'Auf diesen Fels werde ich meine Kirche bauen.' (Matt.
16:18). Diese Kirche, von Petrus angeführt, besitzt
eine ausgeprägte materielle Präsenz in der
Welt: vom Vatikan bis hin zu Moskau, Athen und Jerusalem.
Die Kirche des Petrus (bis heute gekennzeichnet durch
das Bemühen von Petrus, Jesus zu verstehen) umfasst
alle organisierten Kirchen, wie die orthodoxe, katholische,
protestantische Kirche etc. und deren Sekten.
Albrecht
Dürer, der große deutsche Maler des
17-Jahrhunderts, fängt die Auferstehung des
Heiligen Johannes in seiner 'Beweinung Christi',
wunderschön ein, wie auf der Titelseite abgebildet
(das Bild hängt in München in der Alten
Pinakothek). Wir sehen den Heiligen Johannes,
wie er sich über den gefallenen Körper
von Christus erhebt, um seine Rolle als neuer
Archetypus, als Brücke zum Christus-Bewußtsein
in der Kirche des inneren Christentums, wahrzunehmen.
Dürer malte das himmlische Jerusalem oberhalb
von Johannes, und es ist Johannes, der uns dorthin
führen wird. Das starke Interesse an Daskalos bestätigt diesen Wandlungsprozeß. Der große Leitfaden im Gesamtwerk Daskalos ist eine Beschreibung der Werte, der Grundsätze und der Lehre des inneren Christentums. Die großartige 'Leiter' setzt sich folgendermaßen zusammen: Daskalos sucht danach, uns zu Johannes zu bringen. Johannes bringt uns zu Christus und Christus zum Vater:
* Und siehe, eine Stimme vom
Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem
ich Wohlgefallen habe. (Mat. 3:17) Daskalos: ein Mensch in der Seele? Ein Mystiker unterscheidet sich von einem Theologen oder Spiritisten dadurch, dass der Mystiker die Fähigkeit ausgebildet hat, die ursprünglichen Zustandsformen über die Existenz in Zeit und Raum hinaus bewußt zu erfahren und zu erleben. Durch die Begrenzungen un-seres Ausgangspunktes können wir solche Zustände lediglich imaginieren. Es gibt Menschen, die solche seltenen Bewusst-seinszustände erreicht und uns aufschlussreiche Berichte hinterlassen haben. Meister Eckhart, der große rheinländische Dominikaner und Mystiker schrieb im 13. Jahrhundert:
Die frühesten Nachfolger der Lehre Christi identifizierten sich viel weniger mit einer neuen Religion, als mit einer neuen Lebensweise. Tatsächlich wurden sie sogar 'Menschen des Weges' (Apg. 9:2) genannt, da sie Christus Ruf: 'Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben' (Joh. 14:6) folgten. Daskalos folgte diesem Weg in einem solchen Ausmaß, dass er zum Wesen seiner Seele wurde. Den Willen Gottes erkennen: Daskalos und seine Krankheit
Im Juni 1994, im Alter von 82 Jahren,
erlitt Daskalos einen schweren Schlaganfall. Nach Wochen
im Koma kehrte er zurück, um zu erkennen, dass
er die Fähigkeit zu sprechen verloren hatte und
rechtsseitig gelähmt war. Er war weitere 14 Monate
ans Bett gebunden, bevor diese Inkarnation zu Ende ging.
Es war eine harte Probe für Daskalos: Der unerträgliche
Schmerz, Abhängigkeit und starke Einschränkungen.
Vor dem Schlaganfall bemerkte er, ein Mann der Integrität,
häufig, dass er nie im Rollstuhl sein oder ein
Pflegefall für andere werden wolle. Wir danken für Ihre Anteilnahme, bitten Sie jedoch, Ihre Fragen für sich zu behalten. Es liegt in Daskalos Wille, hier zu bleiben oder uns zu verlassen.'
Mit dem Brief in der Hand kam ich
zu Daskalos und fragte ihn, ob ich ihm den Brief vorlesen
könne. Er willigte ein und nickte, während
ich den ersten Teil las, zustimmend mit dem Kopf. Als
ich aber die oben genannte Passage erreichte, ergriff
er mit seiner linken Hand meine Hand und schüttelte
seinen Kopf in heftiger Verneinung. Ich fragte ihn nach
dem Grund hierfür und er deutete an, dass ich die
Passage 'bitten Sie jedoch, Ihre Fragen für sich
zu behalten' nochmals lesen solle. Ich las: 'Es liegt
in Daskalos Wille, hier zu bleiben oder uns zu verlassen'.
Und wieder reagierte Daskalos sehr heftig. Ich begriff,
dass das Problem eine Frage des Willens war. 'Daskalos'
sagte ich ruhig, 'wessen Willen ist es, dass Du in dieser
Situation bist?' Mit Kraft hob er meine Hand himmelwärts
und deutete in Richtung Gott. Ich verstand. 1. The Inner Life, Charles W. Leadbeater, 1978 ed. The Theosophical Publishing House, pps. 3-4 2. Der Magus von Strovlos, von Kyriacos Markides wurde schnell gefolgt von zwei weiteren Publikationen Heimat im Licht, 1987 und Feuer des Herzen , 1990 publiziert von DROEMER/KNAUR), trotz Daskalos Wunsch nichts mehr über ihn zu verfassen. 3. Ich zitierte von seinem Buch 'Seeing with the Eyes of Love' (Nilgirir Press, 1991, Seite 23) 4. Valentin Tomberg äußerte sich in 'Lazarus komm heraus' (1985 Herder, Basel) dahingehend, dass ein Wesen, dessen Fähigkeiten, Wissen und Güte menschliches Vermögen überschreiten, nur auf übermenschlichen Weg erreicht werden kann. Tomberg und Daskalos stimmten überein, dass Jesus der Archetyp in Perfektion für diese drei Zustände ist. Um diese drei Zustände in ihrer vollkommenen Ausgeglichenheit und Harmonie zu erreichen, ist die Liebe als der Ursprung und das Zentrum unseres Wesens unabdingbar. 5. Bhakti ist Yoga der Liebe und Hingabe an den Schöpfer. Jnana Yoga ist Yoga des Philosophen und Denkers. Karma Yoga zielt darauf, Einheit mit Gott durch richtiges Handeln und Dienen zu erreichen. 6. Origen, Commentary on the Gospel of John (Book 1) 7. Meister Eckhart: Sermons + Treatises (V. 1 P. 269-70) Trans. and edited by M.O'C. Walshe. |
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