Eine Begegnung mit Daskalos

Der Mystiker, der Mensch, die Botschaft
Denkschrift an den christlichen Mystiker

Wenn ihr auf euer Herz achtet und nach der Stimme Gottes lauscht und von Ihm lernt,in einer kurzen Stunde könnt ihr mehr von Ihm lernen als in tausend Jahren von den Menschen.
Johannes Tauler (ca. 1300-1361 n.Chr.)

Alles verliert im Laufe der Zeit an Glanz und auch die Menschen, die wir kannten und die diese Welt schon verlassen haben, sollten mehr und mehr aus unserem Tagesbewusstsein schwinden. Daskalos ist mir heute noch näher als bei seinem Hinübergehen vor über fünf Jahren. Es scheint, als ob ich in meiner Verbindung zu ihm zu nahe an einem Berg stand, um seine Weite zu erfassen, oder an einem Meer, das so gross ist, dass ich sein entferntes Ufer nicht sehen konnte. Es gibt, wie ich jetzt erkannt habe, Menschen, die wir nicht 'sehen' können, Menschen die ausserhalb des uns Greifbaren stehen, zumindest solange, bis wir in der Lage sind, unsere Sicht zu erweitern, so dass wir sie erfassen können. Nachdem ich das erste Mal von diesem Lehrer hörte, über den man sagte, er sei voll von Wundern und Weisheit, vergingen noch 10 Jahre bis ich schliesslich über den Umweg eines 2-jährigen Aufenthaltes in Nepal auf der Insel Zypern landete.

Ich hatte Glück, dass er im Alter von 75 Jahren noch lebte und in einem vom Sturm des Lebens geprägten Körper lehrte. Es war Ende Mai und noch früh am Morgen, doch eine mediterrane Hitze erfüllte schon den Tag. Ein Gebäude im Garten, die Stoa, diente als Schule, sechzig Stühle standen vor einem kleinen Podest. An jenem Tag, nicht lange bevor der Andrang grösser wurde, zählten wir kaum 20 Personen. Daskalos kam herein, ein grosser Mann mit dunklem, buschigem, fast wildem Haar, sein Hemd trug er über der Hose, die mit Spritzern von …lfarbe bedeckt war. Er nahm unterhalb des Podestes Platz, legte seine Sonnenbrille ab, bat uns, uns um ihn herum zu setzen und betete das Vater-Unser. Danach lehrte er. Er lehrte so, wie ich ihn die nächsten sechs Jahre erleben sollte, eineinhalb Stunden lang ohne Pause und Notizen. In jenen Tagen unterrichtete er von Montag bis Freitag morgens öffentlich und nachmittags und abends privat. Seine Lehren umfassten die gesamte Schöpfung: In einem Atemzug konnte er den höchsten Himmel mit unseren alltäglichen Schwierigkeiten zusammenführen. Er verstand es meisterhaft, seinen persönlichen Erfahrungsschatz mit der universell gültigen Lehre zu verbinden. Er lehrte mit seinem ganzen Sein, mit seinen Händen, seinem Herzen und seinem Ausdruck. Wie ein Bildhauer modellierte er jede Lektion. Beeindruckend war, dass nach jeder Unterweisung alle, vom 'Spirituellen Wandersmann' bis zum Neuling, den Eindruck hatten, dass das soeben Gehörte genau ihrem Bedürfnis entsprach.

Trotz meiner Schulung im Buddhismus und Schamanentum des Himalaja, die ich vorher durchlaufen hatte (und deren reicher Kosmologie), hatte ich zu kämpfen, das von ihm gelehrte System nachzuvollziehen. Er formulierte alles in einer geheimnisvollen Sprache - wobei sein Englisch einen griechischen Akzent hatte. 'Das Neue Testament', erklärte er mit Nachdruck am Ende vieler Unterweisungen, 'sollte dein bester Freund und Begleiter sein.' Bestürzt sassen wir gemeinsam da, denn wie konnte die staubige Bibel mit ihren Eselsohren, die auf Großmutters Nachttisch lag, ein so mächtiger spiritueller, ja sogar mystischer Führer sein?

Der Theosoph Charles Leadbeater hatte die Geburt von Daskalos vorausgesehen, als er im Jahre 1912 schrieb, dass mehrere Adepten sich inkarnieren würden, einer davon 'geboren auf der Insel Zypern1'. Die Theosophen versuchten, Daskalos für ihre Bewegung zu gewinnen, doch er verlor im Alter von 30 Jahren sein Interesse an ihnen, enttäuscht, dass diese Bewegung die Bedeutung Christi nicht erkennen konnte.

Daskalos war der geborene Lehrer christlicher Mystik. Ausserdem war er ein bemerkenswerter Heiler. Lange Zeit seines Lebens lebte er ein besonnenes, ruhiges Leben, arbeitete als Drucker für die Kolonialverwaltung, lehrte und heilte an den Abenden und an den Wochenenden und akzeptierte nie mehr als eine Tasse Kaffee für seine Zeit und Mühen. Dann gab er sein Einverständnis dazu, dass ein Buch geschrieben werden sollte, 'über die Lehre', wie Daskalos sich ausdrückte. Das Buch 'Der Magus von Strovolos' entwickelte sich schnell zum Klassiker unter den Büchern über spirituelle Lehrer. Aber Markides überschritt den von Daskalos klar vorgegebenen Rahmen, indem er zu viel über Daskalos Taten und Wunder schrieb, sehr zum Verdruss von Daskalos und zu unserer Faszination. Daskalos fürchtete, dass sich die Aufmerksamkeit weg von der spirituellen Lehre hin zu der Faszination durch psychische Kräfte richten könnte2.

Daskalos Wunsch war es, in uns eine tiefere, gesammeltere Hingabe an die Wahrheit zu erwecken. Nicht unbedingt die Christliche Wahrheit. 'Ob du als Buddhist hierher kommst', pflegte er zu sagen, 'oder als Hindu, als Jude, als Moslem oder was auch immer, verlasse diesen Ort ruhig auch wieder als solcher, aber als einer, der wirklich um seinen Glauben weiß und nach diesem lebt. Denn die Wahrheit hat wie ein Diamant viele Facetten, und jede der großen Religionen reflektiert eine andere Facette der Wahrheit des Absoluten Seins'. Obgleich er seine Studenten ermunterte, die anderen Glaubensrichtungen zu studieren, um 'den Nektar aus den anderen Gärten zu sammeln', meinte er, 'Du wirst doch all die gleichen Blumen im Garten des Christentums finden, vielleicht sogar schönere'. Er riet den jungen wie den älteren Wahrheitssuchern, bei ihrem Glauben zu bleiben und nicht wie einer zu werden, 'der viele kleine Löcher an vielen Plätzen gräbt, aber nie tief genug, um Wasser zu finden'3.

Daskalos war beständig auf der Hut vor der Lauheit. Er befürchtete, dass er selbst und andere auf dem spirituellen Weg träge werden und sich mit äußeren Formen begnügen könnten. Formen, die sich als Rituale, Dogma und Organisation ausdrücken, behindern das Feuer der Inspiration.

Mystisches Christentum: Der Weg der Liebe, Weisheit und Kraft

Spirituelle Lehrer, also in diesem Sinne wir alle, drücken Kraft (in der Lage sein, zu Handeln), Wissen (Wissen, das zur Weisheit führt) und Liebe (moralische Absicht mit Mitgefühl und Barmherzigkeit) aus4. Viele Meister und Religionen beschreiben Gott als Absolute Macht, Absolute Weisheit und Absolute Liebe. Als Seelen sind wir mit diesen Qualitäten ausgestattet und als Persönlichkeiten streben wir danach, ihnen Ausdruck zu verleihen. Große Kulturen, wie die indische, haben Schulen, 'Yogas'5, gegründet, um sich diesen drei Gesichtern des Göttlichen anzunähern. Jedoch findet man selten inkarnierte Seelen, die diese drei großen Pfade in Einklang gebracht und voll entwickelt haben. Daskalos war als Lehrer einzigartig, denn er drückte nicht nur jedes dieser drei Attribute in ganzer Fülle, sondern auch alle in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander aus. Daskalos heilte und lehrte in dieser dreifachen Stärke. Daher gab seine bloße Gegenwart vielen Trost, Sicherheit und Zuversicht. Die Botschaft, die er anbot, war, dass das mystische Christentum uns zu voller und ausgeglichener Entwicklung hinführt.

Umfassende Anatomie der menschlichen Natur

Vielleicht das größte 'Geschenk' von Daskalos an Suchende, die Orientierung benötigen, ist seine umfassende Anatomie der menschlichen Natur. Daskalos' Lehre der drei Körper des Menschen (noetisch/mental, psychisch/emotional, materiell/physisch) und seine Beschreibung vom Leben der Elementale (Gedanken-Formen und Emotional-Formen), geben uns die Möglichkeit, uns selbst zu erkennen und unser Verständnis und unsere Erfahrungen in der Wœelt neu zu gestalten. Seine Lehre über ätherische Vitalität und das ätherische Doppel befähigt uns, unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden zu beobachten und zu kontrollieren. Daskalos empfahl uns, immer nur einen Schritt zu passender Zeit zu tun, auf diese Weise würde sich der nächste Schritt von selbst offenbaren. Er betonte, dass jeglicher echte und dauerhafte Fortschritt stets mit Selbstbeobachtung beginnt und durch diese aufrechterhalten werden soll.

Nichts Böses sehen, hören und reden

Im Hause Daskalos' hing über dem Kamin eine Schnitzerei, auf der drei Affen abgebildet waren: einer, der seine Augen bedeckte, einer, der sich die Ohren zuhielt und ein dritter bedeckte seinen Mund. Kitsch? Für Daskalos war dies ein Symbol für den selbstbewußten Menschen, dessen Integrität und Spiritualität einer inneren Ausrichtung auf das Göttliche entspringt. Solche Menschen haben nicht das Bedürfnis, sich selbst durch Kritik an ihrem Umfeld und an anderen Menschen aufzuwerten. Das Maß für den geistigen Standort eines Menschen ist das Ausmaß, in dem er sich im Widerstreit mit der Welt befindet. Daskalos' Integrität, seine Moral und seine Spiritualität hingen nicht mehr von äußeren gesellschaftlichen Umständen ab, sondern waren vollkommen auf Gott ausgerichtet. Ein Zeugnis hierfür ist die Tatsache, dass ich mich an keine Situation erinnern kann, in der Daskalos eine andere Person oder Institution kritisiert hätte. Auch als die Kirche seinen Namen verleumdete, lächelte er nur und sagte: 'Sie sind gute Menschen und haben keine schlechten Absichten'.

Daskalos und die Kirche des heiligen Johannes

Christentum zeigt sich in vielen, vielen Formen. Es gibt die kulturell/historische Kirche, die gegründet wurde, als Christus Petrus mitteilte: 'Auf diesen Fels werde ich meine Kirche bauen.' (Matt. 16:18). Diese Kirche, von Petrus angeführt, besitzt eine ausgeprägte materielle Präsenz in der Welt: vom Vatikan bis hin zu Moskau, Athen und Jerusalem. Die Kirche des Petrus (bis heute gekennzeichnet durch das Bemühen von Petrus, Jesus zu verstehen) umfasst alle organisierten Kirchen, wie die orthodoxe, katholische, protestantische Kirche etc. und deren Sekten.

Eine andere, die 'stille Kirche', wurde zu Jesu Zeiten aufgebaut, als der Apostel Johannes, den Jesus liebte, beim letzten Abendmahl seinen Kopf auf die Brust des Gottmenschen legte und das Herz der Liebe schlagen hörte (vergl. Joh. 13:23). Diese Kirche des Johannes - die auch das Mystische Christentum, das Esoterische Christentum oder Inneres Christentum genannt wird - besitzt keine materielle Präsenz in der Welt, außer den Herzen eines jeden Menschen. St. Johannes gilt als der Apostel, der dem Weg Christi folgte (der Liebe, Weisheit und Kraft), um Theosis zu erlangen ( die Einheit mit Gott). Einer der ersten großen christlichen Mystiker war Origenes (185-232 n.Chr.), der erkannte, wie groß dieser Aufstieg des Johannes war: Niemand kann die Bedeutung des Johannes-Evangeliums aufnehmen, es sei denn, daß er an Jesu Brust gelegen und durch Jesus selbst Maria zur Mutter erhalten hat. Ein solcher muß er also werden, ein zweiter Johannes, und ihm muß offenbart werden, wie damals Johannes durch Jesus selbst offenbart wurde, wie er, Jesus, ist. Denn wenn Maria laut denen, die sie mit vollem Verstand rühmen, keinen anderen Sohn als Jesus hat, der aber dennoch, auf Johannes deutend, zu seiner Mutter sagt: 'Weib, sieh deinen Sohn' und nicht 'Sieh, dieser ist auch dein Sohn', dann sagte er in Wirklichkeit: 'Siehe! Dies ist Jesus, den du geboren hast'. Ist es nicht so, daß jeder, der vollkommen ist, nicht mehr sich selbst lebt, sondern Christus in ihm lebt. Und wenn Christus in ihm lebt, dann wird von ihm zu Maria gesagt: 'Siehe dein Sohn Christus'.6

Albrecht Dürer, der große deutsche Maler des 17-Jahrhunderts, fängt die Auferstehung des Heiligen Johannes in seiner 'Beweinung Christi', wunderschön ein, wie auf der Titelseite abgebildet (das Bild hängt in München in der Alten Pinakothek). Wir sehen den Heiligen Johannes, wie er sich über den gefallenen Körper von Christus erhebt, um seine Rolle als neuer Archetypus, als Brücke zum Christus-Bewußtsein in der Kirche des inneren Christentums, wahrzunehmen. Dürer malte das himmlische Jerusalem oberhalb von Johannes, und es ist Johannes, der uns dorthin führen wird.

Wie viele Leser wissen, ist Daskalos' Führer St. Johannes, denn beide haben eine tiefe Freundschaft über Jahrhunderte hinweg gelebt. Tatsächlich erinnert sich Daskalos an Zeiten, in denen er seinen Kopf an die Brust des Heiligen Johannes legte.

Viele Mystiker und Weise, die der esoterischen christlichen Tradition angehören (Rudolf Steiner, White Eagle, Valentin Tomberg und andere bekannte und unbekannte) sehen das neue Jahrtausend als eine Zeit an, in der das innere Christentum zum Blühen kommt. Dies ist zum Teil auf die spirituelle Armut der Kirche des Heiligen Petrus zurückzuführen und auf ein wachsendes Verlangen nach spiritueller Führung.

Das starke Interesse an Daskalos bestätigt diesen Wandlungsprozeß. Der große Leitfaden im Gesamtwerk Daskalos ist eine Beschreibung der Werte, der Grundsätze und der Lehre des inneren Christentums.

Die großartige 'Leiter' setzt sich folgendermaßen zusammen: Daskalos sucht danach, uns zu Johannes zu bringen. Johannes bringt uns zu Christus und Christus zum Vater:

* Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe. (Mat. 3:17)

*Da rief Jesus im Tempel und sprach: Ja, ihr kennet mich und wisset, woher ich bin; und von mir selbst bin ich nicht gekommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, welchen ihr nicht kennet. (Joh. 7:28)

* St. Johannes: Dies ist der Jünger, der von diesen Dingen zeugt und dies geschrieben hat; und wir wissen, daß sein Zeugnis wahrhaftig ist. Es sind auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; so sie aber sollten eins nach dem andern geschrieben werden, achte ich, die Welt würde die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären .(Joh. 21:24-25)

* Daskalos: Unsere Lehre stammt nicht von mir, sondern ist eine Lehre des Evangelisten Johannes

Daskalos: ein Mensch in der Seele?

Ein Mystiker unterscheidet sich von einem Theologen oder Spiritisten dadurch, dass der Mystiker die Fähigkeit ausgebildet hat, die ursprünglichen Zustandsformen über die Existenz in Zeit und Raum hinaus bewußt zu erfahren und zu erleben. Durch die Begrenzungen un-seres Ausgangspunktes können wir solche Zustände lediglich imaginieren. Es gibt Menschen, die solche seltenen Bewusst-seinszustände erreicht und uns aufschlussreiche Berichte hinterlassen haben. Meister Eckhart, der große rheinländische Dominikaner und Mystiker schrieb im 13. Jahrhundert:

Der Mensch in der Seele, der engelhaftes Sein transzendiert und durch den Intellekt geführt wird, dringt zum Ursprung hervor, dem die Seele entsprungen ist. Dort aber muß der Intellekt draußen bleiben, zusammen mit allen nennbaren Dingen. Dort verschmilzt die Seele zu einem Zustand reiner Einheit. Dies bezeichnen wir als den Menschen in der Seele und du solltest es folgendermaßen verstehen: der Mensch ist die Seele, ist der, der all dies erreicht hat, und nun benötigt er keine weitere Hilfe. Wie er bisher am Wirken war, wirkt Gott nun in ihm. Gott erkennt ihn, sowie er Gott erkannte, Gott liebt ihn, sowie er Gott liebte. So vollbringt Gott alle Arbeit und der Mensch in der Seele ist nackt und aller Dinge entledigt. Du solltest wissen, wie ein Mensch ist, der diesen Zustand erreicht hat: Wir können zu Recht sagen, dass er Gott und Mensch ist. Bemerke, wie er durch Anmut all das erworben hat, was Christus von Natur her hatte. Und sein Körper ist so über die Maßen erfüllt mit der edlen Essenz der Seele, welche wiederum von Gott und dem göttlichen Licht genährt wird, daß wir zu Recht ausrufen können: Dies ist ein göttlicher Mensch! Aber leider, meine Kinder, solltet ihr diese Menschen bedauern, denn sie sind Fremde, die keiner kennt. Alle, die je hoffen, zu Gott zu kommen, können leicht mit diesem Volk verwechselt werden, denn es ist schwer für Fremde, diese wahrzunehmen: Keiner kann sie begreifen, es sei denn ,es scheint das gleiche Licht in ihm. Und das ist das Licht der Wahrheit.7

Die frühesten Nachfolger der Lehre Christi identifizierten sich viel weniger mit einer neuen Religion, als mit einer neuen Lebensweise. Tatsächlich wurden sie sogar 'Menschen des Weges' (Apg. 9:2) genannt, da sie Christus Ruf: 'Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben' (Joh. 14:6) folgten. Daskalos folgte diesem Weg in einem solchen Ausmaß, dass er zum Wesen seiner Seele wurde.

Den Willen Gottes erkennen: Daskalos und seine Krankheit

Du solltest um Dein 'tägliches Brot' bitten, Du solltest bitten, dass Gott für Dich und deine Familie Sorge trage. Du kannst um dein 'tägliches Brot' mit etwas Butter bitten, wenn Du das wünschst! Er wird Dich erhören. Für mich selbst bitte ich um nichts. Ich glaube, Er weiß besser, was ich brauche. Daskalos

Im Juni 1994, im Alter von 82 Jahren, erlitt Daskalos einen schweren Schlaganfall. Nach Wochen im Koma kehrte er zurück, um zu erkennen, dass er die Fähigkeit zu sprechen verloren hatte und rechtsseitig gelähmt war. Er war weitere 14 Monate ans Bett gebunden, bevor diese Inkarnation zu Ende ging. Es war eine harte Probe für Daskalos: Der unerträgliche Schmerz, Abhängigkeit und starke Einschränkungen. Vor dem Schlaganfall bemerkte er, ein Mann der Integrität, häufig, dass er nie im Rollstuhl sein oder ein Pflegefall für andere werden wolle.

Einige Monate nach seinem Schlaganfall trafen Briefe aus †bersee ein. Einige wünschten Daskalos Gesundheit, andere verlangten danach, die Ursache für Daskalos Krankheit zu erfahren und überhaupt: Warum konnte der Heiler sich selbst nicht heilen? Wir entschieden uns dafür, mit einem generellen Schreiben zu antworten. Auszüge daraus lasen sich folgendermaßen :

Wir danken für Ihre Anteilnahme, bitten Sie jedoch, Ihre Fragen für sich zu behalten. Es liegt in Daskalos Wille, hier zu bleiben oder uns zu verlassen.'

Mit dem Brief in der Hand kam ich zu Daskalos und fragte ihn, ob ich ihm den Brief vorlesen könne. Er willigte ein und nickte, während ich den ersten Teil las, zustimmend mit dem Kopf. Als ich aber die oben genannte Passage erreichte, ergriff er mit seiner linken Hand meine Hand und schüttelte seinen Kopf in heftiger Verneinung. Ich fragte ihn nach dem Grund hierfür und er deutete an, dass ich die Passage 'bitten Sie jedoch, Ihre Fragen für sich zu behalten' nochmals lesen solle. Ich las: 'Es liegt in Daskalos Wille, hier zu bleiben oder uns zu verlassen'. Und wieder reagierte Daskalos sehr heftig. Ich begriff, dass das Problem eine Frage des Willens war. 'Daskalos' sagte ich ruhig, 'wessen Willen ist es, dass Du in dieser Situation bist?' Mit Kraft hob er meine Hand himmelwärts und deutete in Richtung Gott. Ich verstand.

Daskalos hatte nicht selbst diese Bedingungen für sich ausgesucht, doch trotz aller Qual wusste er, dass Gottes Wille hier am Werke war. Und Daskalos wollte diesen erfüllen. Einige Monate nach dem Schlaganfall, als sich abzeichnete, dass mit einer Besserung nicht zu rechnen war, konnte Daskalos wieder lachen. Daskalos hatte nicht nur die Umstände, die er sich am wenigsten wünschte, akzeptiert, er konnte sogar die Hand Gottes hierbei wirken sehen. Den Willen Gottes zu erkennen ist oft sehr schwer und häufig ist es noch schwieriger, diesen anzunehmen. Besonders in Zeiten der Not. Durch Daskalos Krankheit wurden wir Zeugen der Hingabe dieses außergewöhnlichen Menschen.

Am Ende eines der Vorträge machte Daskalos eine rätselhafte Aussage: Jeder Student habe zwei Elementale in sich, die Daskalos repräsentieren. Eines, das wir alle erzeugen im Versuch, den Lehrer zu verstehen und das andere sei ein Elemental, welches Daskalos selbst vermittelt habe und die Essenz seines Wesens vollkommen widerspiegeln würde. Er hoffe für uns, dass diese beiden in Einklang kämen, um Eins zu werden. Laßt für uns das gleiche hoffen.

1. The Inner Life, Charles W. Leadbeater, 1978 ed. The Theosophical Publishing House, pps. 3-4

2. Der Magus von Strovlos, von Kyriacos Markides wurde schnell gefolgt von zwei weiteren Publikationen Heimat im Licht, 1987 und Feuer des Herzen , 1990 publiziert von DROEMER/KNAUR), trotz Daskalos Wunsch nichts mehr über ihn zu verfassen.

3. Ich zitierte von seinem Buch 'Seeing with the Eyes of Love' (Nilgirir Press, 1991, Seite 23)

4. Valentin Tomberg äußerte sich in 'Lazarus komm heraus' (1985 Herder, Basel) dahingehend, dass ein Wesen, dessen Fähigkeiten, Wissen und Güte menschliches Vermögen überschreiten, nur auf übermenschlichen Weg erreicht werden kann. Tomberg und Daskalos stimmten überein, dass Jesus der Archetyp in Perfektion für diese drei Zustände ist. Um diese drei Zustände in ihrer vollkommenen Ausgeglichenheit und Harmonie zu erreichen, ist die Liebe als der Ursprung und das Zentrum unseres Wesens unabdingbar.

5. Bhakti ist Yoga der Liebe und Hingabe an den Schöpfer. Jnana Yoga ist Yoga des Philosophen und Denkers. Karma Yoga zielt darauf, Einheit mit Gott durch richtiges Handeln und Dienen zu erreichen.

6. Origen, Commentary on the Gospel of John (Book 1)

7. Meister Eckhart: Sermons + Treatises (V. 1 P. 269-70) Trans. and edited by M.O'C. Walshe.